PURPURROTE TAUBNESSEL(Lamium purpureum)
Die Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum)
Die Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum) ist eine weit verbreitete Wildpflanze, die ursprünglich aus Europa stammt und sich heute in vielen gemäßigten Klimazonen weltweit etabliert hat.
Sie gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und wächst bevorzugt auf nährstoffreichen, lockeren Böden. Besonders häufig in Gärten, auf Äckern und an Wegrändern. Als typische Pionierpflanze besiedelt sie schnell offene oder gestörte Flächen und ist sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum allgegenwärtig.
Bereits im Mittelalter wurde die Purpurrote Taubnessel als Heilpflanze geschätzt und vielseitig in der Volksmedizin eingesetzt. Heute wird sie vor allem von Kräuterkundigen wegen ihrer milden, aber wirkungsvollen Eigenschaften genutzt.
Synonyme: Die Purpurrote Taubnessel ist auch unter folgenden Namen bekannt: Rot-Taubnessel, Purpurnessel und Totnessel.
Der Begriff „Taubnessel“ weist darauf hin, dass diese Pflanze - im Gegensatz zur Brennnessel - keine brennenden Härchen besitzt und somit keine Hautreizungen verursacht.
Erkennungsmerkmale der Pflanze
Ob als vermeintliches „Unkraut“ im Garten oder als wertvolle Wildpflanze – die Purpurrote Taubnessel lässt sich anhand ihrer charakteristischen Merkmale gut bestimmen.
Wurzel: Die Pflanze bildet ein flach wachsendes, faseriges Wurzelsystem, das sich vor allem in den oberen Bodenschichten ausbreitet. Dadurch kann sie sich schnell etablieren und dichte Bestände bilden.
Stängel: Der Stängel ist vierkantig, leicht behaart und häufig rötlich gefärbt. Er wächst aufrecht, ist verzweigt und innen markig (nicht hohl). Die Pflanze erreicht eine Höhe von bis zu 30 cm.
Blätter: Die Blätter sind herzförmig bis eiförmig, am Rand leicht gezähnt und stehen gegenständig am Stängel. Besonders auffällig sind die oberen Blätter, die eine purpurrote Färbung aufweisen, während die unteren Blätter meist grün bleiben. Die feine Behaarung verleiht ihnen ein weiches, fast samtiges Erscheinungsbild.
Blüten: Die kleinen, purpurroten bis violetten Lippenblüten sitzen in dichten Quirlen in den oberen Blattachseln. Sie erscheinen oft schon sehr früh im Jahr und zählen zu den ersten wichtigen Nahrungsquellen für Bienen und Hummeln. Die typische Form der Blüte - mit ausgeprägter Ober- und Unterlippe - dient als ideale Landefläche für bestäubende Insekten.
Samen und Samenkapsel: Nach der Blüte entstehen kleine, dunkel gefärbte Nüsschen, die in vierteiligen Klausenfrüchten sitzen. Die Verbreitung erfolgt häufig durch Ameisen (Myrmekochorie), die die Samen als Nahrungsquelle nutzen und so zur Ausbreitung der Pflanze beitragen.
Das Wichtigste im Überblick
Die Purpurrote Taubnessel ist eine unscheinbare, aber äußerst wertvolle Wildpflanze, die in vielen Teilen Europas vorkommt. Sie wächst bevorzugt auf nährstoffreichen Böden und gehört zu den ersten Pflanzen, die kahle oder gestörte Flächen besiedeln.
Durch ihre frühe Blütezeit stellt sie eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und andere Bestäuber dar und leistet somit einen bedeutenden Beitrag zur Biodiversität.
Traditionell wurde die Pflanze in der Naturheilkunde aufgrund ihrer entzündungshemmenden und stoffwechselanregenden Eigenschaften (früher als „blutreinigend“ bezeichnet) eingesetzt. Auch heute wird sie wegen ihrer milden Wirkung geschätzt, insbesondere bei Hautproblemen und Erkältungsbeschwerden.
Pflanzen-Steckbrief
Botanischer Name:
Lamium purpureum
Pflanzenfamilie:
Lippenblütler (Lamiaceae)
Blütezeit:
März bis Oktober
Erntezeit:
April bis Oktober
Standort:
Nährstoffreiche, lockere Böden; sonnig bis halbschattig
Verwendbare Teile:
Blätter, Blüten, junge Triebe
Verwendung in der Küche:
Salate, Smoothies, Suppen, Kräuterquark, Pesto
Inhaltsstoffe:
Flavonoide, Gerbstoffe, Schleimstoffe, Saponine, Iridoidglykoside sowie Mineralstoffe
Wirkung:
Entzündungshemmend, reizlindernd, schleimlösend, leicht harntreibend sowie stoffwechselanregend
Nebenwirkungen:
Keine bekannten Nebenwirkungen bei üblichem Verzehr
Verwechslung & Abgrenzung
Die Purpurrote Taubnessel kann auf den ersten Blick mit der Brennnessel verwechselt werden. Der entscheidende Unterschied: Taubnesseln besitzen keine Brennhaare und verursachen keine Hautreaktionen. Zudem tragen sie auffällige, farbige Blüten, während die Brennnessel eher unscheinbare Blüten ausbildet.
Heilpflanzengarten
Balkon- und Gartentalk
Die Purpurrote Taubnessel ist ein echter Geheimtipp für naturnahe Gärten und Balkone.
Sie ist äußerst pflegeleicht, wächst unkompliziert und gedeiht sowohl im Beet als auch im Topf. Besonders in naturnahen Gärten darf sie sich frei entfalten und bringt dabei eine lebendige, wilde Ästhetik mit sich.
Als Frühblüher ist sie eine wertvolle Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten - gerade zu einer Zeit, in der noch wenig blüht.
Wenn du sie bewusst stehen lässt, unterstützt du aktiv die Artenvielfalt und holst dir gleichzeitig eine vielseitige Wildpflanze direkt vor deine Haustür - essbar, heilsam und wunderschön zugleich.