AUGENTROST (Euphrasia officinalis)

Augentrost (Euphrasia officinalis

Der Augentrost (Euphrasia officinalis) gehört zur Familie der Sommerwurzgewächse und zählt zu den bekanntesten heimischen Heilpflanzen für die Augenpflege. Die Gattung Euphrasia umfasst mehrere hundert Arten, die sich teilweise nur schwer voneinander unterscheiden. Unter dem Namen Euphrasia officinalis werden in der Volksheilkunde häufig verschiedene nahe verwandte Arten des sogenannten Augentrost-Artenkreises zusammengefasst.

Seine natürliche Heimat liegt in Europa und Westasien. Heute wächst Augentrost in nahezu ganz Europa sowie in Teilen Nordasiens. Er besiedelt bevorzugt magere Wiesen, Weiden, Bergwiesen, Heideflächen und lichte Waldränder. Besonders wohl fühlt er sich auf nährstoffarmen Böden, die nur extensiv bewirtschaftet werden. Durch die intensive Landwirtschaft und häufige Düngung vieler Wiesen sind seine natürlichen Lebensräume in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen.

Der wissenschaftliche Gattungsname Euphrasia stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Wohlbefinden“ oder „Heiterkeit“. Bereits in der Antike wurde die Pflanze wegen ihrer heilkundlichen Eigenschaften geschätzt. Ihren deutschen Namen verdankt sie ihrer traditionellen Verwendung bei Augenbeschwerden.

Im Mittelalter gehörte der Augentrost zu den klassischen Heilpflanzen der Klostermedizin. Nach der sogenannten Signaturenlehre galt die Zeichnung der Blüten als Hinweis auf ihre Wirkung: Die violetten Adern und der gelbe Fleck in der Blüte erinnerten an ein Auge. Dies wurde als Zeichen dafür interpretiert, dass die Pflanze besonders bei Augenleiden hilfreich sei. Auch bekannte Kräuterkundige wie Hieronymus Bock und Leonhart Fuchs beschrieben den Augentrost ausführlich in ihren Kräuterbüchern.

Bis heute wird Augentrost traditionell zur unterstützenden Pflege gereizter und müder Augen eingesetzt. Neben der Verwendung als Kräutertee dient die Pflanze als Ausgangsstoff für verschiedene pflanzliche Arzneimittel, darunter standardisierte Augentropfen, Augensprays und Tinkturen.

Synonyme: Augenkraut, Wiesen-Augentrost, Lichtkraut, Augendank, Wohltröst

 
Augentrost eignet sich hervorragend als Bestandteil eines Kräutertees. Für die Augenpflege solltest du jedoch ausschließlich sterile Fertigpräparate aus der Apotheke verwenden. Selbst hergestellte Augenspülungen bergen ein Infektionsrisiko und werden daher nicht empfohlen.
 

Erkennungsmerkmale der Pflanze

Der Augentrost ist eine einjährige krautige Pflanze, die je nach Standort Wuchshöhen zwischen 5 und 30 Zentimetern erreicht. Auffällig sind ihre kleinen weiß-violetten Blüten mit gelbem Schlundfleck. Als Halbschmarotzer entzieht die Pflanze benachbarten Gräsern und Kräutern einen Teil ihrer Nährstoffe, betreibt jedoch gleichzeitig selbst Fotosynthese.

Wurzel: Der Augentrost bildet eine feine Hauptwurzel aus, die sogenannte Saugorgane (Haustorien) entwickelt. Mit diesen verbindet sich die Pflanze mit den Wurzeln benachbarter Pflanzen und entnimmt ihnen Wasser und Nährstoffe.

Stängel: Der Stängel wächst aufrecht und verzweigt sich meist im oberen Bereich. Er ist zart, leicht behaart und trägt zahlreiche gegenständige Blattpaare.

Blätter: Die kleinen Blätter sind eiförmig bis länglich, gegenständig angeordnet und besitzen einen deutlich gezähnten Rand. Sie sitzen ohne Stiel direkt am Stängel.

Blüten: Die Blüten erscheinen von Juni bis Oktober. Sie sind überwiegend weiß und zeigen feine violette Adern sowie einen auffälligen gelben Fleck auf der Unterlippe. Die typische Lippenblütenform erleichtert die Bestimmung. Bestäubt werden sie vor allem von Wildbienen und Hummeln.

Samen / Samenkapseln: Nach der Blüte entwickeln sich kleine längliche Kapselfrüchte mit zahlreichen feinen Samen. Die Samen werden überwiegend durch Wind und mechanische Ausbreitung verbreitet.

Das Wichtigste im Überblick

Der Augentrost gehört zu den traditionsreichsten Heilpflanzen Europas und wird seit Jahrhunderten insbesondere zur unterstützenden Pflege gereizter Augen verwendet. Sein Name spiegelt diese lange Geschichte eindrucksvoll wider.

Charakteristisch sind die kleinen weiß-violetten Blüten mit den feinen violetten Linien und dem gelben Schlundfleck. Ebenso bemerkenswert ist seine Lebensweise als Halbschmarotzer, die ihn botanisch zu einer echten Besonderheit macht.

In der Pflanzenheilkunde wird vor allem das blühende Kraut verwendet. Es enthält unter anderem Iridoidglykoside, Flavonoide und Gerbstoffe, die traditionell mit beruhigenden und adstringierenden Eigenschaften in Verbindung gebracht werden.

Neben seinem heilkundlichen Nutzen ist der Augentrost eine wertvolle Pflanze artenreicher Wiesen und trägt zur ökologischen Vielfalt naturnaher Lebensräume bei.

Erntezeit

Geerntet wird das gesamte oberirdische blühende Kraut während der Blütezeit von Juni bis September. Dabei werden die oberen Pflanzenteile knapp über dem Boden abgeschnitten.

Nach der Ernte sollte das Kraut möglichst rasch und schonend an einem luftigen, schattigen Ort getrocknet werden. So bleiben die wertvollen Inhaltsstoffe bestmöglich erhalten.

Da Augentrost regional seltener geworden ist, sollte er in der freien Natur nur dort gesammelt werden, wo ausreichend große Bestände vorhanden sind und keine Schutzbestimmungen gelten.

Steckbrief

Botanischer Name: Euphrasia officinalis

Pflanzenfamilie: Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae)

Blütezeit: Juni bis Oktober

Erntezeit: Juni bis September (blühendes Kraut)

Standort: Magere Wiesen, Weiden, Bergwiesen, Heiden, sonnige bis halbschattige Standorte

Verwendbare Teile: Blühendes Kraut

Verwendung in der Küche: Keine traditionelle Verwendung

Inhaltsstoffe: Iridoidglykoside (u. a. Aucubin), Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Lignane

Wirkung: Traditionell adstringierend, beruhigend und pflegend, insbesondere zur unterstützenden Pflege gereizter Augen sowie Schleimhäute

Nebenwirkungen: Bei äußerlicher Anwendung sind Nebenwirkungen selten. Für selbst hergestellte Augenspülungen ist wegen der erforderlichen Sterilität besondere Vorsicht geboten. Bei anhaltenden oder starken Augenbeschwerden sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.

Heilpflanzengarten

Balkon- und Gartentalk

Der Augentrost gehört zu den anspruchsvolleren heimischen Wildpflanzen. Als Halbschmarotzer lebt er teilweise von den Wurzeln benachbarter Gräser und lässt sich deshalb nur schwer im klassischen Kräutergarten kultivieren.

Wer naturnahe Blumenwiesen anlegt, hat jedoch gute Chancen, den Augentrost dauerhaft anzusiedeln. Besonders wohl fühlt er sich auf nährstoffarmen, wenig gedüngten Flächen mit heimischen Gräsern als Wirtspflanzen.

Für Balkonkästen eignet sich der Augentrost nur eingeschränkt. Seine besondere Lebensweise macht die Kultur im Topf schwierig und oft wenig erfolgreich.

Wer ihm dennoch einen Platz im Garten bietet, wird mit einer außergewöhnlichen Pflanze belohnt, deren filigrane Blüten nicht nur wunderschön aussehen, sondern auch zahlreichen kleinen Wildbienen und anderen Bestäubern Nahrung bieten. Gleichzeitig trägt man dazu bei, eine zunehmend selten gewordene Wiesenpflanze zu erhalten.

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